Beim Schreiben kommst du dir selbst wieder näher
Es gibt Tage, da ist im Kopf einfach zu viel los. Gespräche, Nachrichten, Entscheidungen, Termine, Ideen und all die kleinen Dinge, die noch erledigt werden wollen. Dazu kommt ständig neuer Input von außen. Wir lesen, hören, reagieren, organisieren und funktionieren.
Die eigenen Gedanken laufen irgendwo dazwischen mit.
Gerade in der Lebensmitte tauchen Fragen auf, die sich nicht mal eben zwischen zwei Terminen beantworten lassen. Was möchte ich eigentlich noch erleben? Was darf sich verändern? Was passt noch zu mir? Welche Wünsche habe ich irgendwann zur Seite geschoben? Wo möchte ich noch einmal neu anfangen?
Manchmal fühlt sich der Kopf an wie ein komplett überfüllter Bahnhof. Gedanken kommen, Gedanken gehen, keiner weiß so genau wohin und das Nervensystem fährt in den Wechseljahren gefühlt sowieso seine eigene Strecke.
Genau dann tut es gut, Stift und Papier zu nehmen und aufzuschreiben, was gerade da ist. Die Gedanken dürfen kommen, sich sortieren und für ein paar Minuten ihren eigenen Weg aufs Papier finden.
Schreiben hält Gedanken nicht nur fest. Schreiben kann ihnen eine Richtung geben.

Darum geht’s hier
Weniger Ablenkung, mehr Klarheit. Es geht um 15 Minuten am Tag, um deine Gedanken, um Schreiben mit der Hand und um ein Experiment: Was passiert, wenn du dir 365 Tage lang jeden Tag bewusst Zeit für dich nimmst?
Gedanken aufschreiben und genauer hinsehen
Tagebuch schreiben bedeutet für mich nicht, jeden Tag chronologisch festzuhalten. Viel interessanter finde ich, was ein Tag in mir hinterlässt.
Welcher Gedanke kommt immer wieder zurück? Warum beschäftigt mich ein Gespräch noch Stunden später? Was hat mich berührt, geärgert oder überrascht? Welche Idee möchte ich festhalten, bevor sie zwischen Alltag, Nachrichten und den nächsten Aufgaben wieder verschwindet?
Beim Schreiben wird es persönlich.
Du erkennst Themen, die immer wieder auftauchen. Wünsche werden deutlicher. Entscheidungen bekommen Konturen. Ein Gefühl, das vorher irgendwo diffus im Kopf herumgeschwirrt ist, lässt sich plötzlich in Worte fassen.
Manche Gedanken brauchen erst einmal einen Platz.
Papier kann genau dieser Platz sein.
Oft beginnt es mit einem einzigen Satz. Beim Schreiben tauchen Verbindungen auf, an die du vorher gar nicht gedacht hast. Du liest deine eigenen Worte und denkst: Ach, darum geht es mir eigentlich.
Raus aus dem automatischen Funktionieren und wieder bewusst hinein ins eigene Leben.
Schreiben als Ritual für dich
Aus dem Gedankenaufschreiben kann mit der Zeit ein persönliches Schreibritual entstehen.
Ein Journal oder Notizbuch, ein Stift, mit dem du gerne schreibst, und ein ruhiger Moment reichen für den Anfang. Eine Tasse Tee, Musik oder ein schöner Duft können diese Zeit noch angenehmer machen.
Für ein paar Minuten darf alles andere warten. Weniger Ablenkung, weniger Input und dafür mehr Raum für deine eigenen Gedanken.
Genau das hat für mich viel mit Slow Living zu tun. Statt ständig etwas Neues aufzunehmen, richtest du deine Aufmerksamkeit für einen Moment auf das, was längst in dir vorhanden ist.

Wenn das weiße Blatt einfach leer bleibt
Du hast dir Zeit genommen. Dein Journal liegt vor dir, der Stift ist griffbereit und nun möchtest du schreiben.
Nur das weiße Blatt bleibt weiß.
Journaling Fragen können genau hier den Anfang erleichtern.
Zum Beispiel:
- Was beschäftigt mich gerade wirklich?
- Was brauche ich im Moment mehr in meinem Leben?
- Wonach sehne ich mich?
- Was möchte ich loslassen?
- Was würde ich tun, wenn ich mir selbst mehr vertrauen würde?
- Was möchte ich in meinem Leben noch erleben?
- Was möchte ich mir heute selbst sagen?
Nimm die Frage, bei der du hängen bleibst, und beginne dort. Der erste Satz darf völlig unspektakulär sein. Der nächste Gedanke kommt oft beim Schreiben.
365 Tage als Experiment mit dir selbst
Mich reizt an dieser Idee noch etwas anderes als Journaling.
Was passiert, wenn du dir 365 Tage lang jeden Tag 15 Minuten für dich nimmst?
Wir sprechen hier nicht von einem freien Nachmittag oder einem Wellnesswochenende. Wir sprechen von einer Viertelstunde.
15 Minuten, in denen du aus deinem normalen Alltag herausgehst und dir selbst zuhörst.
Ich sehe diese 365 Tage deshalb als persönliches Experiment. Du entscheidest dich dafür, diese Verabredung mit dir selbst ernst zu nehmen und beobachtest, was sich dadurch verändert.
Den Zeitpunkt bestimmst du selbst. Aus meiner eigenen Erfahrung macht ein fester Zeitpunkt das Ganze wesentlich leichter. Du könntest morgens von 6 bis 6.15 Uhr schreiben, mittags von 13 bis 13.15 Uhr oder abends von 20.30 bis 20.45 Uhr.
Irgendwann weißt du ganz selbstverständlich: Diese Viertelstunde gehört mir.
Eine Frage für jeden Tag
Aus diesem Gedanken ist meine 365 Tage Journaling Anleitung entstanden.
Sie begleitet dich ein Jahr lang mit einer neuen Frage für jeden Tag. Du schlägst den Tagesimpuls auf, nimmst dein eigenes Heft oder Journal und beginnst zu schreiben.
Die Fragen führen dich durch Themen wie Selbstreflexion, Wünsche, Dankbarkeit, Gefühle, Lebensfreude, Zukunft und persönliche Neuorientierung.
Was brauchst du dafür? Einen Stift, die Frage des Tages und 15 Minuten nur für dich.
Ein schönes Journal mit ausreichend Platz für deine Gedanken kannst du dir selbst aussuchen. Ebenso einen Stift oder vielleicht wieder einmal einen Füller, mit dem du wirklich gerne schreibst. Genau hier werde ich dir auch meine persönlichen Empfehlungen verlinken.
Wenn du zunächst mehr über Journaling erfahren möchtest, findest du in meinem Artikel „Journaling in der Lebensmitte“ weitere Inspiration rund ums Tagebuch schreiben und Schreiben mit der Hand.

Starte dein 365 Tage Experiment
Normalerweise würde an dieser Stelle wahrscheinlich stehen: Fang klein an. Ich sage lieber: Starte das Experiment! Jetzt ist die beste Zeit dafür….
Denn gute Ideen verschwinden erstaunlich schnell wieder im Alltag. Brain Fog lässt grüßen.
Such dir einen Starttag aus, am besten einen Montag. Leg deine Journaling Anleitung, dein Heft und deinen Lieblingsstift bereit. Bestimme deine feste Viertelstunde und mach daraus eine Verabredung mit dir selbst.
Dann beobachte, was passiert.
Welche Gedanken kehren zurück? Welche Wünsche werden deutlicher? Welche Entscheidungen fühlen sich klarer an? Was lernst du über dich, wenn du dir jeden Tag wirklich zuhörst?
Nach einem Jahr hast du weit mehr als 365 Antworten gesammelt.
Du hast dir 365 Mal bewusst Zeit für dich genommen.
Das ist für mich der schönste Gedanke an diesem Experiment. Du schenkst dir nicht irgendwann Zeit, wenn endlich alles erledigt ist. Du nimmst sie dir mitten im echten Leben. Tag für Tag, 15 Minuten lang.
Du schenkst dir damit nicht irgendwann Zeit, wenn endlich alles erledigt ist. Du nimmst sie dir mitten im echten Leben. Tag für Tag, 15 Minuten lang.
Schreiben wird nicht auf magische Weise über Nacht alles verändern. Aber es kann dir ziemlich deutlich zeigen, was du willst, was dich stört und was längst danach ruft, anders zu werden. Genau das ist ja der Punkt.
Also warte nicht auf den perfekten Moment. Nimm deinen Stift, schlag die erste Frage auf und leg los. Dein Experiment beginnt nicht irgendwann. Es beginnt mit der ersten Viertelstunde.
Ciao 💖
Wonja

*Transparenzhinweis / Werbung: Dieser Beitrag enthält Empfehlungslinks (Affiliate Links) zu Produkten, die ich persönlich selbst nutze oder bewusst ausgewählt habe. Wenn du über einen dieser Links etwas kaufst, erhalte ich möglicherweise eine kleine Provision. Für dich bleibt der Preis gleich. Ich empfehle ausschließlich Produkte, von denen ich persönlich überzeugt bin.

